August 2019

"modernisiert" (2)

Vor der „Modernisierung“ = Umbau des Bahnhofs zur profitablen Entkernung der noblen Bonatzarchitektur
zu einem Hotel und einer „Shopping-Mail“ zogen die Montagsdemonstranten durch den Bahnhof bis zu einem Bahnsteig und zurück mit Transparenten und der Capella Rebella: „Und was sie auch treiben, wir werden oben bleiben“. Zuvor, beim Demozug durch die Königstraße, intonierte die Capella zusammen mit der Lok den sehr passenden „Kriminal-Tango“,davon
hier 1 Minute Video von Marie Laveau auf Twitter.
Foto S.B.
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Capella und Lokomotive (Schlagwerk) in der Haupthalle

"modernisiert" (1)

Foto Schaeferwelt
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Bahninformationen: „Das historische Empfangsgebäude des Stuttgarter Hauptbahnhofs, der Bonatzbau, wird ab Anfang 2020 umfangreich modernisiert.“
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„modernisiert“ heißt zum Profit (Hotel) umgebaut. Die Bahn beweist täglich die Unfähigkeit zu einem funktionierenden Betrieb durch Verspätungen und Zugausfälle. Statt die vorhandenen Kräfte auf den Bahnverkehr zu konzentrieren, wird kräftig „modernisiert“ mit großen Beeinträchtigungen für die Bahnreisenden. Die Haupthalle wird gesperrt und den Bahnkunden große Umwege zugemutet. Jahrelang! „Erste Teilflächen stehen den Reisenden voraussichtlich ab 2024 wieder zur Verfügung.“

Und.Und.Und...

E. R. leert sich den Kropf:
Warum gegen S21?
• Missachtung des Denkmalschutzes
• Verschlechterung für Reisende in allen Bereichen, keine einzige Verbesserung zu entdecken!
• ein Bahnhof macht die Strecke nach München oder Bratislava nicht schneller!
• kein Brandschutz (evtl. 1000 Tote auf einen Schlag, wenn’s blöd läuft)
• viel zu enge Bahnsteige, zu klein und unterdimensioniert
• viel zu kurze Ein-, Aus- und Umsteigezeiten
• Gefährdung der Stgter Mineralquellen
• Hochgefährliche Verlegung des Nesenbachkanals/Dükerung, des Hauptabwasserkanals der ganzen Stadt
• Überschreiten der höchstzulässigen Bahnsteig-Neigung um das über Sechsfache!
KEINE Einhaltung von Sicherheitsvorschriften, die’s aus guten Gründen gibt!
• Sowieso: Ungültigkeit der „Volksabstimmung“
• Die Wahrscheinlichkeitsrechnung sagt: 62 km neue Tunnels im höchtkritischsten Untergrund von ganz Deutschland
sind nicht beherrschbar, ungeahnte Folge- und Reparaturkosten im Anmarsch wg. Anhydridvorkommens,
wg. drei Mineralwasserströmen, die sich unterhalb Stgts aus drei Richtungen treffen, viele Höhlenkavernen etc.
Brüche, Senkungen etc.
• völlig veraltete Architektursprache übrigens auch, so baut man heute längst nicht mehr.
• Ein weißer Bahnhof, wie im Modell dargestellt, wird wegen des Tunnelsogs und des damit verbundenen Schmutzes
in kurzer Zeit schmuddelig und versifft aussehen.
• Klimabilanzmäßig der Supergau.
• Der mittlere Schlossgarten, die grüne Lunge der Stadt, im Vorfeld „gerodet“, man könnte auch „ermordet" dazu sagen
• Nicht vergessen: Am schwarzen Donnerstag wurde ein Mann von den Wasserwerfern der üblen Polizei blind geschossen, drei weitere an den Augen schwerstverletzt, viele bis heute traumatisierte. Niemand berichtet bis heute darüber.
• Und. Und. Und ...
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„Man muss es immer wieder sagen…“ Danke Eberhard für Deine wutgeborene Aufzählung!

Zeitbilanz (10)

Stuttgarter Zeitung aktuell (9. August 19):

S 21 behindert S-Bahnverkehr
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Finanzen: „Vom 10. bis 22. Juli sind massive Einschränkungen im Bahnverkehr in und um Stuttgart zu erwarten. [1] Im Rahmen von Gleisverlegungen ist ein Teil der Gleise nicht befahrbar. [1] Einige Züge fahren den Hauptbahnhof nicht mehr an, sondern wenden an anderen Haltestellen. Ersatzfahrpläne wurden veröffentlicht.

"Die Situation rund um das Projekt Stuttgart 21 ist einfach haltlos unverschämt. Dass mit dieser Baustelle jetzt wieder einmal die Pendler auf der Strecke bleiben, ist respektlos. Solche Großprojekte müssen immer auch mit den Nutzern der Bahnen vereinbar sein. In diesem Fall ist es das nicht", kommentiert Michael Knödler, Regionalrat der PIRATEN. "Ich fordere die Projektaufsicht dazu auf, von solchen gravierenden Einschnitten in den Bahnverkehr in Zukunft abzusehen. Vom Land und der Stadt Stuttgart erhoffe ich mir ein schleuniges Umdenken in diesem verheerenden Projekt.“

Neue Reiseschatten (3)

Justinus Kerners „Reiseschatten“ entstanden während der Reise nach Hamburg-Berlin-Wien von 1808 bis 1810. Das war in den Zeiten vor der Eisenbahn. Diese erlebte Kerner aber später noch und schrieb das prophetische, eindrucksvolle Gedicht „Im Eisenbahnhofe“: "

Hört ihr den Pfiff, den wilden, grellen,
Es schnaubt, es rüstet sich das Tier…“

„Neue Reiseschatten“ sind vom Bahnreisenden Siegfried Busch, am 3.8.19 von Hamburg nach Stuttgart mit ICE 777:
- Abfahrt fahrplanmäßig Gleis 14 um 17:01, Ankunft Stuttgart 22:47 Uhr

-
Auf Bahnsteig 14 steht 17:01 aber noch der ICE nach München, Abfahrt 15:28 Uhr, es ist aber schon 17:53 Uhr

- Ankunft meines Zuges in Stuttgart um 00:03, Verspätung 1 Stunde und 16 Minuten, Fahrpreis-Rückerstattung 25%.




verrückt

Krimi-Autor Wanninger im Interview: Sein Vater war „Bahner“, die Eisenbahn liegt ihm am Herzen, und der kommende Stuttgarter Bahnhof regt ihn auf. „Stuttgart 21 ist eine Katastrophe“, sagt er, und er hatte das Thema oft in seinen Krimis. Auf den Demos war er nicht nur einmal dabei und er hat vieles auszusetzen an dem Projekt, das die Schwaben spaltet. Die Schieflage, das Grundwasser, die zu langen Rettungswege seien eigentlich verrückt…“

= Zerstörung

Foto E.Rapp
Unbekannt
„Umbau“ heißt die weitere Zerstörung des Bonatz-Bahnhofs durch die Bahn.

Kommentar im SWR

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Aus einem anderen Kommentar:Seit dem Höhepunkt der steuerfinanzierten Pro-S21-PR-Arbeit durch die DB AG in 2010/2011, also vor der sog. "Volksabstimmung", habe ich keinen derart substanzlosen Jubelkommentar zu S21 mehr gelesen.“

kommentierungsbedürftig

Der SWR-Kommentator Martin Rupps schreibt zu Stuttgart 21:
„…Nur mit dem Tunnelblick im Stuttgarter Kessel ist erklärlich, mit welcher Vehemenz das mutige und wichtige Projekt bekämpft wurde und noch immer wird.“
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Unter Pseudonym „Schuttgarter“ habe ich einen kleinen Kommentar geliefert, morgen im Blog, wenn er veröffentlicht wird. Selbst
hier die Kommentare lesen.

Parkgebet feiert...

…seinen 9. Geburtstag,

aber es ist
kein Grund zum Feiern, dass Politik, Wirtschaft, Behörden, Medien und Justiz in opportunistischer Verbrüderung und mafiösem Korps-Geist ein Projekt am Laufen halten, von dem jeder Informierte weiß, dass es ein unermesslicher Schaden für die Bevölkerung ist.

und es ist auch
kein Grund zum Feiern, dass das Parkgebet nicht von den Kirchen organisiert wird, sondern von Ehrenamtlichen mit teils bewundernswertem Einsatz – und dass die Kirchen stattdessen leisetreterisch, konfliktscheu und staatstreu dazu schweigen.

"mal wieder"

Kritik aus Tübingen, swp:
Die Stadt Tübingen befürchtet, dass die Region Neckar-Alb künftig mit schlechteren Bahnverbindungen in Richtung Stuttgart rechnen muss:

„Stuttgart 21 erweist sich nicht nur finanziell sondern auch verkehrspolitisch mal wieder als Desaster“,


sagt der Erste Bürgermeister Cord Soehlke.
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OB Boris Palmer will sich wohl aus der parteipolitischen Schusslinie bringen… er hat das Desaster oft genug beschworen.

allerdings

Südd. Zeitung von gestern:
Stuttgart 21: Bundesregierung sieht keinen Ergänzungsbedarf
Stuttgart (dpa/lsw) - Das milliardenschwere Bauprojekt Stuttgart 21 ist aus Sicht der Bundesregierung leistungsfähig genug für den geplanten 30-Minuten-Takt auf wichtigen Verkehrsachsen. Eine Ausweitung der Kapazität sei zur Realisierung des sogenannten Deutschland-Taktes nicht notwendig, heißt es in einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage von Matthias Gastel, Sprecher für Bahnpolitik der Grünen-Bundestagsfraktion. In der Hinsicht halte die Bundesregierung Ergänzungen für nicht notwendig. Allerdings räumte sie teils lange Umsteigezeiten ein.
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„Allerdings“ wird es dann auch extrem kurze Umsteigezeiten geben. In der Spitzenstunde bei kurzen Haltezeiten, Doppelbelegungen und treppauf treppab gibt es ärgerliches Chaos, Tränen und verpasste Anschlüsse.
Die Verlautbarung der Bundesregierung ist wieder so ein Beispiel für Inkompetenz, blindes Vertrauen auf die Bahn und Kopf in den Sand stecken. Das böse Erwachen ist unvermeidlich.

Spruchband in St.Johannis Lüneburg

Foto am 30.Juli S.B.
Unbekannt
Wer sollte seine Meinung zu Stuttgart 21 ändern, wenn sich die Tatsachen geändert haben?